Wie wird heute kommuniziert? Na klar, digital. Über WhatsApp. Der Messenger-Dienst WhatsApp hat in Deutschland bei 14- bis 29-jährigen eine Verbreitung von 95 Prozent. Eine andere Form der Kommunikation, außerhalb der App? Für viele Internet- und Smartphone-User kaum vorstellbar. Und das sieht in vielen anderen Ländern nicht anders aus. In weltweit 109 Ländern ist der Messenger-Dienst die erste Wahl, wenn es um die mobile Kommunikation geht. Und einer hatte es vorausgesehen: Für Facebook-Chef Mark Zuckerberg war der Kauf von WhatsApp für knapp 20 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 sicherlich eine der klügsten Entscheidungen des jungen 21. Jahrhunderts.

Doch Zuckerberg hat ein Problem: Facebook kann bis heute nicht mitlesen, was zwischen Absender und Adressat(en) verschickt wird. Ein wichtiges Kriterium, wenn es darum geht, zielgerichtete Werbung zu schalten. Dafür sorgten einst die beiden WhatsApp Gründer Jan Koum und Brian Acton, die als große Datenschutz-Verfechter gelten. Und mit der Verschlüsselung der Nachrichten sowie der Vorgabe, dass WhatsApp eine kostenlose Messenger-App ohne Werbung bleiben müsse, warf die App lange Zeit kein Geld ab. Bis heute. Denn mit dem Ausstieg der Gründer und um die Nutzer nicht sofort zu vergraulen, haben die Verantwortlichen um Zuckerberg entschieden, einen neuen Weg zu gehen.

Nach dem Facebook-Ausstieg der WhatsApp-Gründer Brian Acton im letzten und dem (nicht ganz reibungslosen) Ausstieg von Jan Koum im April diesen Jahres, präsentierte Facebook vor wenigen Tagen eine Lösung, die WhatsApp von den Fesseln der Verschlüsselung befreit und die Nachrichten damit einsehbar macht. Und zwar für Firmen. Mit der Öffnung der WhatsApp Business API wird es möglich sein, Messenger-Nachrichten zu analysieren, um noch gezielter Werbung schalten zu können. Targeting at it´s best.

Dieser Nachricht, die von dem Sommerloch des heißen 2018er-Sommerjahrgangs nahezu verschluckt wurde, ging im Januar ein erster Schritt voraus: Die Veröffentlichung von “WhatsApp for Business”. Dabei handelt es sich um eine zweite App, mit der Kleinunternehmer ein Business-Profil samt Name, Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktdaten anlegen können. Über den Service können die Firmen mit einzelnen Nutzern in Kontakt treten und Standard-Nachrichten speichern und verschicken. Natürlich Dank Opt-in DSGVO-konform. Im November diesen Jahres werden weitere WhatsApp Mitarbeiter den Facebook-Konzern verlassen. Denn vier Jahre nach der Übernahme dürfen WhatsApp-Mitarbeiter ihre Aktienanteile verkaufen. Im nächsten Jahr will Facebook mit der Werbung bei WhatsApp starten – zunächst in den Stories.

Mit der Öffnung der API für (zunächst) WhatsApp for Business wird sich die digitale (Unternehmens-)Kommunikation stark verändern. Und zwar aus folgenden Gründen:

    – bei Nennung von Firmennamen im WhatsApp-Chat wird man direkt mit der Firma in Kontakt treten können
    – Um beispielsweise Informationen (Abflugzeit) oder Dateien (Flug-Ticket) zu erhalten, können Nutzer ihre Handynummer weitergeben, um diese wiederum via WhatsApp zu erhalten
    – Unternehmen werden Click-to-Chat-Buttons implementieren. Über diese lassen sich dann automatische Chats via WhatsApp starten
    – ein Echtzeit-Support auf Unternehmensseiten wird eingerichtet, um via WhatsApp Fragen zu Produkten zu beantworten oder um ein Problem zu lösen
    – Online-Händler können über die Schnittstelle beispielsweise die Kunden in Echtzeit über den Verlauf der Paketzustellung informieren

Zu den ersten Großkonzernen, die bereits auf die neue Schnittstelle zugreifen, gehören laut Basicthinking die niederländische Fluggesellschaft KLM, das Urlaubsportal Booking.com, die Einkaufsplattform Wish sowie der Fahr-Service Uber. Und wer den WhatsApp-Konkurrenten aus Asien “WeChat” kennt, der weiß, wie schnell es gehen kann mit der Preisgabe der Daten an Großkonzerne. Im Chat mit Amazon, Apple und Co. via WhatsApp, möglich wird das ab dem nächsten Jahr! Und für die (Unternehmens-)PR erschließen sich ganz neue Spielfelder.

Content Marketing in der PR – so klappt’s!