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Wenn selbst dem besten Small-Talker nichts mehr einfällt, spricht er über das Wetter. Und der einfallslose PR-Texter? Der spricht über die Jahreszeit. Dabei zeigt er dem Leser: “Ich interessiere mich eigentlich nicht für deine Situation, sondern wollte nur einen seichten Einstieg ins Thema haben”.Ein schönes Beispiel dafür ist die Mail, die mich heute erreichte. Das Betreff war: “Pressemitteilungen noch schnell versenden und Ihren Urlaub genießen”. Interessant, dachte ich mir: Woher weiß der Verfasser dieser Zeilen, dass ich bald Urlaub habe? Und warum weiß ich selbst eigentlich noch gar nichts davon? saisonansprache

Ein Blick in die Mail offenbart den eigentlichen Zweck. “Jetzt von reichweitenstarker Verbreitung & attraktiven Versandoptionen profitieren”.

Zu Beginn werde ich gefragt, ob ich gern am Meer wäre, mit einem eisgekühlten Getränk in der Hand und der Sonne auf der Nase? Dies sollte wohl eine rhetorische Frage sein, denn danach heißt es: “Sie sitzen aber im Büro und der Schreibtisch ist voll mit Arbeit”. Jetzt ist der Höhepunkt dieses Teasers erreicht: Die Problemlösung für das Problem, das ich vor dem Lesen dieses Absatzes noch gar nicht hatte. Wenn ich nämlich meine Pressemitteilung mit dem Unternehmen des Absenders versenden würde, könnte ich “schnell in den Urlaub starten”. Eine wunderbare Logik: Dem Urlaub, den ich mir zu wünschen habe, steht nur der Versand einer Pressemitteilung entgegen.

Wieder einmal zeigt sich, dass gedankenloses Texten im besten Fall schön klingt, aber in der Praxis nichts bewirkt. In diesem Fall basiert das textliche Szenario auf folgender Grundannahme:

Weil im Sommer jeder in den Urlaub möchte, will auch der Leser unbedingt in den Urlaub.

Ein ziemlich sandiges Fundament, wenn man bedenkt:

  1. dass am 31. August 2015 (Versandtag) im Prinzip nur noch Bayern und Baden-Württemberg urlaubsfähige Sommerferien haben. Wer in den Sommerferien Urlaub machen möchte, der hat es in Deutschland im Prinzip schon gemacht.
  2. dass es viele PR-Kolleginnen und Kollegen gibt, die trotz Sommerzeit keinen Urlaub haben (können). Eventuell ist so viel zu tun oder sie können es sich als Selbständige einfach nicht erlauben.

Wie sollen alle diese Personen (und das sind bestimmt nicht wenige) reagieren, wenn sie sich in ihrem Kopf das Motiv Urlaub aktiviert wird? Bestimmt nicht so, wie es für den Verkauf der Dienstleistung nötig gewesen werden.

Zu guter Letzt: Einen Tag vor Ende des meteorologischen Sommers sollte man nicht mehr mit “Sommerangeboten” locken. Das wirkt schon komisch, wenn nur einen Tag später mein Supermarkt an der Ecke mit Lebkuchen und Spekulatius lockt.

Auch beim Texten gilt: Was will ich mit meinem Text bewirken? Was soll der Leser denken, wie soll er handeln? All das ist Inhalt der complus Workshops Medienarbeit. Der nächste startet schon bald.

BR

 

Umgekehrter Nachrichtenwert: Ein Nicht-Ereignis wird zur Meldung
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