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Angemessen über das Thema Flüchtlinge zu kommunizieren ist bestimmt nicht leicht. Auch Zeitdruck macht die Arbeit nicht einfacher. Doch was auf der Pressekonferenz von Bundesinnenminister Thomas de Maizière zu sehen war, dürfte dann doch auch mit Gedankenlosigkeit zu tun haben.

Als de Maizière den Berliner Journalisten den neuen Ausweis für Flüchtlinge präsentierte, haben die Kommunikationsverantwortlichen des Ministeriums eine große Chance vertan. Viel schlimmer noch: Sie haben gezeigt, dass sie nicht in der Lage sind, die Perspektive der Flüchtlinge einzunehmen. Eigentlich eine Grundvoraussetzung, um Menschen erfolgreich anzusprechen.

Irgendetwas ist da falsch, aber was?

Worum geht es: Vom neuen Ausweis, der Flüchtlingen und Behörden Erleichterung bringen soll und der explizit Menschen vorbehalten ist, die in Deutschland Asyl suchen, lächelt eine alte Bekannte: Erika Mustermann, geborene Gabler. Blond, grüne Augen und 1,60 Meter groß. Bis zu diesem Punkte könnte man den Erstellern dieses Musters noch zugutehalten, dass sie nach dem Gleichheitsgebot gehandelt haben: „Das haben wir bei Formular-Mustern schon immer so gemacht.“ Für einen kurzen Moment muss dann aber doch jemand nachgedacht haben. Als das erste Musterexemplar fertig war, muss er sich gedacht haben: „Da stimmt doch etwas nicht. Erika Mustermann in einem Ausweis für Flüchtlinge? Irgendetwas ist hier falsch.“ Und siehe da, er hat den Fehler gefunden. Wenn das ein Ausweis für Flüchtlinge ist, dann kann Frau Mustermann doch keine deutsche Staatsangehörigkeit haben, so wie sonst bei allen anderen Musterformularen. Also wurde aus der deutschen Frau Mustermann die syrische Erika Mustermann gemacht.

Vielleicht muss es an dieser Stelle gesagt werden: Das ist kein Witz. In dem Muster mit Erika Mustermann, das de Maizière in die Kamera hielt, ist deutlich das Länderkürzel „SYR“ zu erkennen. Blond, nordeuropäischer Hauttyp und grüne Augen – so sehen also Syrier aus.

Der Frage nicht aus dem Weg gehen

Die Personen, die dieses Muster gestaltet haben, hätten ein Zeichen setzen können. Aber diese Chance wurde offensichtlich nicht genutzt. Zugegebenermaßen ist es auch keine leichte Aufgabe, den Flüchtlingen in Deutschland ein Muster-Gesicht zu geben. Aber es ist eine wichtige Aufgabe, der wir lieber früher als später stellen sollten! Für was für ein Muster-Gesicht hätte man sich entschieden, wenn nicht die blonde Erika auf der Flucht sein soll? Eine verschleierte Frau? Eine Frau ohne Kopftuch? Einen Mann? Mit Bart oder ohne? Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Ein Gesicht berührt Stereotype und löst Gefühle aus – positive wie negative. Aber es wäre aus kommunikativer Sicht so wichtig gewesen, sich damit auseinanderzusetzen. Denn dann hätte man zeigen können, dass die Ministerialbürokratie in der Wirklichkeit der Flüchtlinge angekommen ist. Das wäre vielleicht so etwas wie Integration.

bre

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