Eco… wer? Ecosia. Die Suchmaschine. Mit jedem Besuch und jeder Suchanfrage auf ecosia.org wird angeblich ein Baum gepflanzt. Ein Versprechen, das ein selbstbewußt positionierter “Baumzähler” auf der Startseite der Suchmaschine abgibt. Sowie auch die Verantwortlichen der Ecosia GmbH, an vorderster Stelle Christian Kroll. Nach einer Weltreise, so ist auf der Homepage nachzulesen, soll der Betriebswirtschaftler aus Wittenberg das Start-Up im Jahr 2009 gegründet haben. Nachdem er mehr über die besorgniserregenden Auswirkungen von Entwaldung erfuhr. Und nicht nur die Firmengeschichte ist auf der Homepage veröffentlicht sondern auch die monatlichen Finanzberichte. Für jedermann und jedefrau einsehbar. Transparenz gehört bei Ecosia offensichtlich zur Firmenphilosophie. Das schafft Vertrauen.

Gelungener PR-Coup

Zwischen 10 und 25 Prozent der monatlichen Einnahmen werden laut Bericht für „Bekanntmachung“ aufgewendet. Der geschätzte Marktanteil der Ecosia-Suchmaschine lag in D im Jahr 2017 bei 0,01 %. Vielleicht wird man das PR- und Marketing-Budget für den Rest des Jahres 2018 wieder ein wenig zurückfahren (können), denn den Verantwortlichen um Christian Kroll ist in der letzten Woche ein ganz besonderer PR-Coup gelungen. Am Morgen des 09. Oktober hatte das PR-Team dem Stromkonzern RWE ein Kaufangebot für die verbliebenen 200 Hektar Wald des Hambacher Forst gemacht. Genau für den Wald also, der seit Wochen in den Medien ist.

CSR mit wenig Aufwand, schnelles konkretes Handeln = viel Erfolg

Das Angebot, das per Fax an RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz verschickt und prominent auf der Startseite von ecosia.org veröffentlicht wurde, hatte viel Lob in den sozialen Netzwerken nach sich gezogen. Auch zahlreiche Nachrichtenseiten berichteten darüber. Wenn aus einer (offiziell) bierseligen Überlegung schnelles, konkretes Handeln wird… Auch das ist PR. Im Fall Ecosia zeigt sich besonders, dass Corporate Social Responsibility – kurz CSR – kein Luxus ist, sondern Unternehmen wirtschaftlich davon profitieren können. Die alte Vorstellung, Ökonomie und Ökologie, unternehmerisches Handeln und soziale Verantwortung seien Gegensatzpaare, und CSR entsprechend (gesetzlich vorgeschriebenes) notwendiges Übel, den man sich erst leisten können muss, ist längst veraltet.
So genanntes Social Responsible Investment (SRI) ist in den letzten Jahren für viele Unternehmen eine wichtige Triebfeder ihres CSR-Engagements geworden. Und dieses gilt es auch in der PR herauszuheben. Mit Vorgehensweise(n) und Methoden, die wir unseren Studierenden bei complus beibringen. Fortan mit einem weiteren positiven Beispiel. Danke dafür. Toll gemacht. Chapeau!

Das richtige Maß ist gefragt

Ob ein Waldstück für 1 Mio. Euro oder die Domainregistrierung von Politiker-Slogans, OFT ist in der PR schnelles und konkretes Handeln gefragt. Und IMMER das richtige Maß. Ein PR-Coup gelingt in den seltensten Fällen weit außerhalb der Grenzen einer eigenen PR-Strategie. Andernfalls kann ein PR-Coup schon einmal zum Bumerang werden. Nicht so bei Ecosia, auch wenn ein Kaufangebot noch am selben Tag abgelehnt wird. Also alles richtig gemacht? Wir diskutieren dies gerne auf Facebook und Co. weiter.

5G und die digitale Transformation - Chancen für die PR?
So beeinflussen Kundenbewertungen unsere Kaufentscheidungen