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Pressekonferenzen scheinen in China etwas anders abzulaufen als in Europa. Zumindest ist es „ungewöhnlich“; wenn Ministerpräsident Li Keqiang Fragen beantwortet, die eigentlich an Bundeskanzlerin Angela Merkel gerichtet waren.

Wie bei Staatsbesuchen üblich, lädt das Gastgeberland am Ende des Tages zu einer Pressekonferenz ein. Chinas Ministerpräsident Li Keqiang war am Montag (13. Juni) nicht nur Organisator der Pressekonferenz mit Bundeskanzler Angela Merkel, sondern er hat auch gleich Fragen, die eigentlich an Merkel gerichtet waren, beantwortet. Dabei lernt jeder PR-Schaffender: Eine Pressekonferenz läuft nach festen Regeln ab. Immer! Dabei ist eine wichtige Regel: Der Journalist stellt eine Frage und der Angesprochene antwortet. Ministerpräsident Li Keqiang muss sich nicht wundern, wenn er durch sein Verhalten große Aufmerksam auslöst.

Protokoll einer ungewöhnlichen Pressekonferenz

Eigentlich verlief die Pressekonferenz mit Li Keqiang und Angela Merkel wie immer. Erst schilderte der chinesische Ministerpräsident seine Eindrücke von den Gesprächen mit Bundeskanzlerin Merkel. Danach legte Merkel dar, wie die Position Deutschlands zu den verschiedenen Punkten ist. Dabei sparten beide Regierungschefs auch die heikleren Themen nicht aus: Es ging um die Beziehungen zwischen China und der EU, um Wege der friedlichen Lösungen von Konflikten etc.

Dann stellt eine Journalistin eine Frage an Angela Merkel.

“Danke schön, dass ich hier eine Frage an Sie stellen darf. […] Frau Bundeskanzlerin, meine Frage an Sie ist: Gestern haben Sie die Rechtsstaatlichkeit betont. Es gibt Ärger im Menschenrechtsdialog. Aus der deutschen Wirtschaft klingt sehr viel Unmut, auch Ärger, über weniger Marktzugang und eine Ungleichbehandlung deutscher Unternehmen, während chinesische Unternehmen in Deutschland offen auch Hochtechnologie kaufen können. Gleichzeitig tritt China außenpolitisch recht selbstbewusst auf. Im Südchinesischen Meer gibt es Spannungen. So gibt es doch einige Kritiker in Deutschland, die sagen: China bewegt sich in die falsche Richtung. – Teilen Sie diese Sorge?”

Während Angela Merkel auf die Übersetzung wartet, übernimmt Li Keqiang kurzer Hand die Antwort:

„Als Erstes möchte ich Folgendes vorwegschicken: Als China der Welthandelsorganisation beitrat,. […] Ich denke, ich habe Ihnen auch stellvertretend für Frau Merkel eine Antwort auf Ihre Frage gegeben. Das habe ich auch für Frau Merkel getan. Ich denke, Sie verstehen mich nicht falsch und nehmen mir das nicht übel, Frau Merkel. – Vielen Dank.“

Merkels souveräne Reaktion:

„Ich nehme es Ihnen nicht übel, nehme mir aber auch die Freiheit, etwas dazu zu sagen. Ich möchte dazu Folgendes sagen: Wenn ich mir die letzten Jahre daraufhin anschaue […]“

Man könnte meinen der chinesische Ministerpräsident hätte die Botschaft verstanden, doch schon bei der nächsten Frage eines Journalisten wird klar, dass er es mit den Regeln auf Pressekonferenzen nicht so hat:

„Danke schön. Ich habe zwei Fragen. Die erste stelle ich an Frau Merkel. […]“

Ministerpräsident Li Keqiang:

„Wenn Sie möchten, dann kann man beide Fragen zusammen beantworten.“

Angela Merkel:

„Das kann ich machen. Das erste [sie wird unterbrochen]“

Ministerpräsident Li Keqiang:

„Sie beantworten die erste Frage.“

Angela Merkel:

War die zweite gar nicht für mich? Ich dachte, beide Fragen waren für mich. Aber wenn die zweite für den chinesischen Ministerpräsidenten ist, dann [stockt]

„Egal, ich sage einfach, was ich möchte. […]“

Die vollständige Abschrift der Pressekonferenz findet sich auf der Internetseite der Bundesregierung.

Mitreden ist Pflicht
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