Bildungsmedien werden zunehmend digital. Das Wissen wird per App oder online vermittelt, Google, Facebook, Wikipedia und Co. haben auf die meisten Fragen die (un-)passenden Antworten. Das Problem? Die Inhalte sind so umfangreich, dass es zu einer Übersättigung kommt. Die Folge? Wir können uns nicht mehr konzentrieren. Wie lässt es sich so noch effektiv arbeiten oder lernen? Vor allem in Lernphasen wie jetzt vielerorts – auch für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ein ganzer Markt verspricht, das Problem mit der Konzentration zu lösen. Doch mit neuen Hilfsmitteln wird das Problem nur verlagert. Die einzige Lösung? Abschottung. Nur so lässt sich in kürzerer Zeit erfüllter arbeiten, um dann mehr Freizeit zu haben.

Die Verlockungen der digitalen Welt

Konzentration ist in einer Welt voller Ablenkung zu einer der wichtigsten Fähigkeiten geworden – und gleichzeitig ein für manche unmöglich erreichbarer mentaler Zustand. Karl Westhoff, Professor für Psychologie, hat sich an der TU Dresden jahrzehntelang mit dem Thema Konzentration beschäftigt. Heute berät er Menschen bei der „Optimierung mentaler Ressourcen“. „Das Problem ist“, so Westhoff in einem Interview mit der FAZ, „dass niemand seine Aufmerksamkeit sowohl auf seinen Laptop als auch gleichzeitig auf sein Smartphone richten kann. Aber alle versuchen es.

Die Konzentration und das limbische System

Damit Konzentration entsteht, ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Teile im Gehirn nötig. Am einfachsten fällt uns die Konzentration, wenn wir in einer bedrohlichen Situation sind. Das Gehirn, oder besser das limbische System, reagiert sofort auf die Gefahr – was eine feine Sache ist, macht es doch das Überleben in kritischen Situationen zumindest wahrscheinlicher. Jede eingehende Push-Nachricht auf dem Smartphone sowie jedes Klingelgeräusch, egal ob Haustür, Schulglocke oder das Geräusch vom Nachbar-Schreibtisch, sind in diesem Sinne eine Gefahr, auf die das Gehirn reagiert. Wie soll so konzentriertes Arbeiten möglich sein?

Die Lösung: Abschottung

Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass doch irgendwie alles gleichzeitig gehen muss. Karl Westhoff zufolge hat die Wissenschaft bereits vor Jahrzehnten belegt, dass Multitasking bei bewusst zu erledigenden Aufgaben schlichtweg unmöglich ist. „Wir müssen uns trauen, öfter zu sagen: Jetzt erst einmal der Reihe nach.“ Praktisch hilft gegen die Verlockungen der sozialen Medien oder gegen die Mitschüler und Kollegen, die am Nachbar-Schreibtisch einen anderen Inhalt bearbeiten oder mit ihren Fragen immer zielgenau in jede Konzentrationsphase grätschen, nur eins: Abschottung. Helfen kann dabei die Nichtstören-Funktion, die in vielen modernen Smartphones integriert ist. Oder einfach der Aufenthalt in einem anderen Raum als das eigene Telefon, der PC oder der Kollege. Und auch wenn diese räumliche Abschottung nicht möglich ist, gilt: Ein Raum, ein Ziel, eine Stimme.

Fernstudium online: Ja oder Nein?