Die digitale Transformation braucht Zeit. So lautete nicht nur ein Fazit der “Social Media Conference” im letzten Jahr in Hamburg. Dieses Statement lässt sich auch aus zahlreichen Blog-Beiträgen und Artikeln aus der PR-Branche sowie aus einigen Äußerungen von PR-Experten herauslesen. Doch die Zeit drängt. Denn in den Aussagen wird deutlich, dass die digitale Transformation kein Hype ist, der irgendwann wieder verpufft. Ganz im Gegenteil. Derzeit werden Rahmenbedingungen geschaffen, die nicht nur die Entwicklungen im Bereich der digitalen Kommunikation beschleunigen. Stichwort “Fifth Generation Mobile Networking”, kurz 5G. Sollte mit der nächsten Stufe des (hoffentlich flächendeckenden) Ausbaus der Mobilfunknetze durch die vier großen Anbieter die Übertragungs-Datenrate auf bis zu 20Mbit pro Sekunde steigen, wird sich die digitale Kommunikation verändern. Allein durch die neuen Möglichkeiten im Bereich der Internet der Dinge sowie im Bereich der Emotionalisierung durch Bild und Bewegtbild (siehe Vodafone-Werbevideo). Große Firmen passen ihr Investitionsvolumen bereits an diese Entwicklungen an (siehe Grafik unten rechts).

Huawai Europa-Manager Walter Ji zu 5G

Wir werden unser Leben digitalisieren” prognostizierte Europa-Manager Walter Ji von Huawai, dem derzeit weltweit zweitgrößten Mobilfunkanbieter, am letzten Oktober-Wochenende in einer Wochenzeitung. “Heute sind es vor allem Fotos, die in sozialen Netzwerken geteilt werden. Morgen werden es Videos sein. 5G wird eine Vernetzung bringen, die wir bisher nicht gesehen haben” so Walter Ji weiter.

Diese Statistik zeigt die erwartete Entwicklung der Kommunikationsmaßnahmen von Unternehmen in Österreich bis 2018. Von den befragten Unternehmen erwarten 40 Prozent, dass die Öffentlichkeitsarbeit bis zum Jahr 2018 zunehmen wird.

Investitionen in Digital und Print; Quelle: Content Marketing Forum, Frühjahr 2018

Für die PR, die sich tagtäglich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt, werden neue Möglichkeiten entstehen. Und damit auch neue Herausforderungen.

Neuer Speed, neue Agilität, auch für die PR

Während größere Firmen auf die neuen Möglichkeiten reagieren, kleinere Teams und Labs einrichten sowie ihre Mitarbeiter*innen in agilen Methoden wie “Scrum” oder “Kanban” schulen, werden die Kollegen aus der internen sowie externen PR mit neuen Begriffen wie “Nischenkommunikation”, “Micro-Influencer”, “Content Marketing” oder “Smart Speaker” konfrontiert. Dass sich mit der Digitalisierung bisher gültige mediale Machtbeziehungen auflösen und Gegenöffentlichkeiten etablieren, hatte der Mediensoziologe Michael Jäckel bereits im Jahr 2005 vorausgesagt. Dreizehn Jahre später ist diese “Gegenöffentlichkeit” längst zur wichtigsten Zielgruppe geworden, vor allem wenn auf eigene Inhalte aufmerksam gemacht werden soll (siehe Grafik unten links).

Aus den Möglichkeiten Chancen für die PR entwickeln

Diese Statistik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage zu den eingesetzten Instrumenten für die Promotion von Content (Corporate Publishing / Content Marketing) im Jahr 2018. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen aus der D-A-CH-Region gaben an, Social Media Werbung einzusetzen, um auf die eigenen Inhalte aufmerksam zu machen.

Promotion von Content; Quelle: Content Marketing Forum, Frühjahr 2018

Nein, der digitale Wandel in der PR ist kein Add-On. Er ist ein unaufhaltsamer Schnellzug. Die Basis jedoch lautet immer noch (und immer mehr): Kommunikation. Und der erste Schritt dazu ist der Dialog. Diese(n) sollte der/die PR-Fachmann/-frau beherrschen. Ob es fortan um eine Bindung zu einem agilen Team geht, zu den neuen Medien, zu den Influencern oder zu einem realen Menschen; sei sie beruflicher, privater oder sogar liebender Art, es braucht in erster Linie verständliche Kommunikation – am besten von Angesicht zu Angesicht. 

Kommunikation verstehen und umsetzen

Kein Wunder, dass viele Arbeitgeber immer häufiger vor allem nach Arbeitnehmern mit einer hohen Kommunikationsfähigkeit suchen. Geht diese denn mit den neuen Entwicklungen verloren? Diese Gefahr besteht. Aber das muss nicht sein. Die Chancen, die mit der digitalen Kommunikation einhergehen bedeuten auch, dass wir die neue Form der Kommunikation sowie die neuen Möglichkeiten verstehen und beherrschen lernen. Dazu gehören auch deren Grundregeln (Axiome von Watzlawick, das Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun oder das Sender-Empfänger-Modell von Shannon/Weaver). Der erste Schritt in der PR ist immer das Zuhören. Das Zuhören gehört zu den Grundeigenschaften jeder/s PR-Beraters/in. Hören Sie zu, bleiben Sie authentisch und vor allem bleiben Sie neugierig! Damit Kommunikation gelingt und Kommunikationsfähigkeit auf dem Schnellzug der digitalen Transformation kein seltenes Gut wird. Wir diskutieren das Thema auf unserer Facebook-Seite weiter!

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