Am Tag 1 nach der US-Wahl gibt es viele Erklärungsversuche und politische Analysen. Burkhard Redeski von complus wirft einen Blick auf die Rolle der Kommunikation. Teil 1: Kenne deine Zielgruppen und verlieren Sie nie aus dem Blick.

 

Bei den E-Learnings von complus zum Thema Sinus-Milieus beschäftigen wir uns intensiv damit, wie wir bestimmte Gruppen in der Gesellschaft erkennen und wie wir erfolgreich mit ihnen kommunizieren. Donald Trump hat gezeigt, dass er die Milieus seiner Wähler sehr gut kennt und sie erfolgreich angesprochen hat.

 

Für die Kommunikationswissenschaftler sind Wahlen der seltene Augenblick, in dem sich die ansonsten flüchtige öffentliche Meinung kristallisiert. Es entsteht für einen Tag ein zählbares Abbild vom dem, was sich Menschen wünschen und was sie denken – projiziert auf ihren Kandidaten. Somit kann man Donald Trump völlig wertfrei bescheinigen, dass er am 9. November die Wünsche von 57 Millionen US-Amerikanern vertritt und ihre Gedankenwelt am besten abbildet.

 

Mit seinen Äußerungen (inklusive des „Umkleidekabinengesprächs“ über Frauen und seine Ansicht über illegale Einwanderer) hat er knapp 20 Prozent der Bürger Amerikas angesprochen und begeistert. Diese Zielgruppen wurden von Hillary Clinton nicht erreicht. Sie hat nicht ihre Sprache gesprochen und in keiner Situation die richtigen Worte gefunden – wohlgemerkt: für diese Zielgruppen.

 

Donald Trump ist ein Instinkt-Unternehmer. Er hat ein Gespür dafür, wie er Menschen ansprechen muss, um Wirkung zu erzielen. Sei es, dass sie ein Produkt kaufen oder dass sie in seiner Person den Heilsbringer sehen, der Amerika wieder stark macht.

 

Aus der Perspektive der Kommunikation hat Trump eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig die zielgenaue Ansprache ist. Die politischen Redakteure haben ihn zerrissen, die Meinungsforscher sahen ihn stets als Verlierer, den Lenkern der Wirtschaft war er zu platt und der intellektuellen Elite war er eigentlich nur peinlich. Aber das war für Trump nicht wichtig. Beharrlich ist er den von ihm für seine Ziele identifizierten Zielgruppen treu geblieben. Einer Zielgruppen, deren Sorgen und Nöte anscheinend auch von den Medien ausgeblendet wurden. Und das hat sich für Donald Trump am 9. November ausgezahlt.

 

Die spannende Frage bleibt: Wie wird Donald Trump es schaffen, als Präsident für alle Amerikaner wahrgenommen zu werden. Seine erste Rede nach der Wahl lässt vermuten, dass er auch hierfür einen Plan hat. Er hat seine Zielgruppendefinition erweitert und seine Inhalte entsprechend angepasst. Ob das politisch erfolgreich ist, wird die Zeit zeigen. Das kommunikative Verhalten von Donald Trump ist schon heute bemerkenswert.